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Presse - Aktuell

 

BZ - Bericht vom 28. Mai 2018

 

 

Einblicke in die düstere Vergangenheit

Exkursion zum NS-Opfer-Mahnmal im Elbenschwander Wald / Zeitzeuge 1945.

Zeitzeuge Ernst Brenneisen  | Foto: Gudrun Gehr
Zeitzeuge Ernst Brenneisen    Foto: Gudrun Gehr

Rechts Hans Viardot, zweiter v.rechts Oliver Uthe  | Foto: Gudrun Gehr
Rechts Hans Viardot, zweiter v.rechts Oliver Uthe    Foto: Gudrun Gehr

Nein, es ging nicht um eine politische Wanderung angesichts der Diskussion um den Windpark am Zeller Blauen. Es ging um die Vermittlung der unberührten Schönheit vieler Gegenden des Kleinen Wiesentals und der Aufarbeitung der tragischen Geschehnisse in einer nicht so fernen Vergangenheit. KuK – Krone und Kultur – mit Hans Viardot hatte erneut zur Exkursion zum Hirschkopf und zum Tannenkopf, den Orten der schrecklichen Taten in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, und zum Besuch des Mahnmals eingeladen.

Das Mahnmal, so befürchten einige, könnte beim Bau des Windparks versetzt werden müssen. Bereits spannend und in der historischen Dimension beeindruckend ist der abgelegene Zugang zum Ort des Gedenkens. Der Waldweg führt über die historische Wegscheide zwischen dem katholischen Habsburgerreich und der evangelischen Markgrafschaft und ist flankiert von moosbewachsenen uralten Marksteinen mit Jahreszahlen aus dem 18. Jahrhundert und Wappen.

Einige Interessierte fanden sich am Samstag bei schönem Wetter zur Begehung der mit 1100 Meter höchsten Stelle des Hirschkopfes, ein, um Worte für das auch noch heute Unfassbare zu finden und um die Toten zu würdigen. Hans Viardot konnte auch den Zeitzeugen Ernst Brenneisen, Revierförster Rüdiger Motzke und den Kreisarchivar Oliver Uthe begrüßen.

In unmittelbarer Nähe des vom KuK (Verein Kunst und Kultur Kleines Wiesental) gesetzten Gedenksteines, einem "groben Klotz für eine grobe Tat", und der beschrifteten Bronzeplatte, wurde in den letzten Kriegstagen, am 26. April 1945, vom fanatischen SS-Offizier Kurt Rahäuser der Befehl zur Ermordung von fünf jungen Zwangsarbeitern aus Litauen, Polen und Russland erteilt. Nach den Feststellungen des Historikers Hansjörg Noe waren Adressaten des Befehles ebenso jugendliche "Werwölfe", die mit den Zwangsarbeitern am Hirschkopf und am Tannenkopf zwei Maschinengewehr-Unterstände ausheben mussten und sich hierbei auch mit ihren Kollegen angefreundet hatten. Zwei der jungen Osteuropäer hatten zuvor einen Hinweis erhalten, dass sie ermordet werden sollten und waren geflohen. Die fünf verbliebenen jungen Zwangsarbeiter wurden in zwei Gruppen geteilt, mussten vor den Hitlerjungen her gehen und wurden rücklings erschossen. Drei Jungen wurden an der Gemarkungsgrenze zu Zell (Käsern/Pfaffenberg) hingerichtet, zwei in der Nähe des Mahnmals. Nach der Ermordung liefen die "Werwölfe" in Panik davon. Leichenfunde von drei Jungen wurden im Herbst 1945 bei Käsern von Pilzsuchern gemacht, bereits vom Wild angefressen, diese wurden auf dem Friedhof von Atzenbach beerdigt. Auf dem Friedhof existiert noch eine Grabplatte. Die restlichen zwei Leichen wurden nicht gefunden.

Zeitzeuge Ernst Brenneisen vom Weiler Heuberg bei Schlächtenhaus, Jahrgang 1932, erinnerte sich an einen Pilzsucher, der nach dem Krieg in etwa 1000 Metern Entfernung von seinem Elternhaus aus einem Reisighaufen eine Kinderhand hervorragen sah und dies seinem Vater mitteilte. Gefunden wurde von ihm die Leiche eines der Jungen, der von den "Werwölfen" erschlagen wurde. Auch noch nach langen Jahren berichtete der Zeitzeuge mit Tränen in den Augen, dass ein Gemeindearbeiter die Leiche mit dem Pferdegespann abholte und sie zuerst am Brunnen beim Friedhof reinigen musste. Brenneisen sagte: "Über so was wurde nicht gesprochen."

Oliver Uthe, Kreisarchivar des Landratsamtes, wies auf die Möglichkeit einer Recherche bei einer Forschungsstelle in Polen hin, wo möglicherweise Angehörige der Verstorbenen ermittelt werden können. Derzeit arbeitet Hansjörg Noe "Die Geschichte des Kleinen Wiesentals im Dritten Reich" auf. Diese wird in einem Sonderband des Markgräfler Geschichtsvereins erscheinen. Mit Förster Rüdiger Motzke wurde die Maschinengewehr-Stellung, ohne nähere Ortskenntnis kaum auffindbar, am Tannenkopf besichtigt. Die Stellung am Hirschkopf mit den fünf noch erkennbaren Proviantgruben konnten infolge Sturmschäden von "Burglind" nicht besucht werden.

 

 

Original-Bericht: BZ / Gudrun Gehr
 

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