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Die Chronik der sonntäglichen "Krone - Frühschoppen"

 

 

 

Shakespeare und seine Figuren

Detlev Illmer zu Gast: Der "Krone"-Frühschoppen
drehte sich um das "Salmen"-Wandgemälde


Professor Detlev Illmer brachte seinen Zuhörern die Werke von Shakespeare näher.
Foto: Verena Wehrle

Professor Detlev Illmer aus Hartheim referierte am Sonntag beim „Krone"-Frühschoppen über Shakespeare. Dabei ging es auch um Professor Schwanitz, der seine letzten Jahre im Gasthaus „Salmen" in Hartheim verbracht und dort ein Wandgemälde mit den wichtigsten Shakespeare-Figuren hatte anfertigen lassen.

So erzählte Illmer die interessante Geschichte des Lokals und beschrieb anschließend das Wandgemälde, das von der Baden-Badener Künstlerin Andrea Berthel-Duffing in mehr als 900 Arbeitsstunden angefertigt worden war.

Mit Geschichten über den „Salmen" sorgte er für Diskussionsstoff und Erstaunen. So wollte sich der damalige Wirt Adolf Zimmermann in den 30er Jahren umtaufen lassen. Das Gasthaus galt als ein Zentrum des regionalen Widerstandes gegen die Nazis, wie Illmer berichtete. Dietrich Schwanitz, genannt „Paolo", einer der größten Shakespeare-Kenner, übernahm das Gasthaus schließlich 2001, kurz nachdem er von seiner unheilbaren Krankheit erfahren hatte. Bekannt ist Schwanitz durch seine zahlreichen Bücher, zuletzt veröffentlichte er „Männer, eine Spezies wird besichtigt". „Als Schwanitz zum ersten Mal den „Salmen" betrat, öffnete er nur eine einzige Tür, die des Theatersaals, und staunte", so Illmer.

Illmer erläuterte mit Hilfe von Bildern den Aufbau des „Salmen", aber vor allem den Aufbau des über acht Meter langen und 2,50 Meter hohen Gemäldes. „Schwanitz wollte die größten Shakespeare-Figuren als Mitbewohner haben", erzählte Ilmer. So ließ er sich das Bild von Andrea Berthel-Duffing an die gesamte Wand der Bühne malen. Ganz links küssen sich Romeo und Julia vorsichtig. Besonders die detailgetreue Gestaltung des Gemäldes sorgte für große Begeisterung in den Reihen der Zuhörer.

Immer wieder habe es Streit zwischen Auftraggeber und Malerin gegeben, da die Vorstellungen sehr verschieden waren. So wünschte sich Schwanitz die Lady Macbeth als Portrait der Malerin Berthel-Duffner. Ihr blieb wiederwillig nichts anderes übrig dies zu malen, malte jedoch nachts noch ein Portrait von Schwanitz nebendran. Othello und Desdemona, nicht weit weg von Shylock, dem Juden aus „Der Kaufmann von Venedig", nebendran Richard der Dritte. Auch Shakespeare selbst findet sich auf dem Bild wieder. Das Erstaunliche: Shakespeare und Schwanitz sind beide am 23. April geboren. Auch Elisabeth die Erste, eine Verehrerin und Gönnerin von Shakespeare, durfte für Schwanitz nicht auf dem Kunstwerk fehlen. König Lear mit seinen drei Töchtern Regan, Cordelia und Goneril und „Hamlet" sind dabei. Als letzte Figuren sieht man die „Titania" aus dem Sommernachtstraum mit einem Esel.

 Illmer beschrieb eindrücklich das Gemälde und erzählte die Geschichten dazu nach. So bekamen seine Zuhörer einen weiten Einblick in die Arbeit von William Shakespeare, aber auch in die der Künstlerin und in das Leben von Schwanitz.

Derzeit wird im Gemeinderat in Hartheim diskutiert, wie das Wandgemälde erhalten bleiben kann.



Bericht: BZ / Heiner Fabry

 

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