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Die Chronik der sonntäglichen "Krone - Frühschoppen"

 

 

 

„Herre“ und „Buure“ feierten

Fasnachtsforscher Peter Müller aus Denzlingen arbeitet die Tegernauer Fasnacht historisch auf.

„Blätzlihanseli“ sind neuerdings wieder in der „Krone“ zu sehen.
  
  

  
  
Foto: Archiv Foto: Markgräfler Tagblatt     
Fasnachtsdienstag im historischen Gasthaus Krone: Original „Tegernauer Hanseli" im bunten „Fleckli-Häs, auch "Blätzlihanseli" genannt, sind neuerdings wieder in der Krone zu sehen.  Foto: Paul Berger

„Die Tegernauer Fasnacht – eine historische Aufarbeitung“ heißt es beim nächsten „Krone“-Frühschoppen im Wirtshausmuseum.

Zu Gast ist der Volkskundler und Fasnachtsforscher Peter Müller aus Denzlingen, der schon viel über die schwäbisch-alemannische Fasnacht geschrieben hat. Auch die Kleinwiesentäler Fasnacht hat er erforscht und seine Erkenntnisse in dem Artikel „Tegernauer Fasnacht“ in „Das Markgräflerland“, Band 2014, publiziert.

Müller wird auf die für Tegernau typische Masken- und Wirtschaftsfasnacht mit dem Umherziehen der Maskierten von Gasthaus zu Gasthaus am Fasnachtdienstag, der sogenannten „Uscherete“ und auf das für das Tal typische gleichzeitige Feiern von „Herre- oder Pfaffefasnacht“ und „Buurefasnacht“, vor allem in den „wilden 20er Jahren“ und in der Nachkriegszeit, in den Wirtschaften „Ochsen“, „Krone“, „Löwen“ und „Alte Post“ eingehen.

Dieses Nebeneinander von katholischer „Uscherete“ und evangelischer „Buurefasnacht“ mit den Umzügen und dem Scheibenschlagen und seinen Sprüchen am Funkensonntag scheint ein Relikt aus vorreformatorischer Zeit zu sein. Anhand von alten Fotografien aus den Jahren 1913, 1926, 1930 und 1931 aus dem „Krone“-Archiv, amtlichen Polizeistundenübertretungen von 1905 und 1924, Sperrzeitverlängerungen von 1947 bis 1952 und erhaltenen Schnitzelbänken aus den Jahren 1929 und 1933 ergeben sich ausgelassene Fasnachtsveranstaltungen in voll besetzten Wirtschaften.

Neben Vollmasken, Clowns, Hexen, Teufeln und „Alti Wiibern“ waren vor allem die „Blätzlihanseli“ mit Pappmachélarve, Flickkostüm, Halskrause und Saublodere typisch, wie sie Peter Müller und Markus Wursthorn in den letzten Jahren bei der Tegernauer „Uscherete“ getragen haben - eine echte fasnächtliche Rarität aus alter Zeit ist das "original Tegernauer Hanseli". Leider findet sich heute kaum noch eine Schneiderei, die diese Kostüme anfertigt. Außerdem sind solche "Fleckli-Häs" wegen ihrer aufwendigen Herstellung kaum bezahlbar, berichtet Markus Wursthorn, der sich zusammen mit Volkskundler Peter Müller ebenfalls um den Erhalt alter Bräuche und Traditionen bemüht. Auch die recht freundlich wirkende Maske und der in einem spitzen Kegel zulaufende Hut machen die Figur des "Hanseli" zu einer eher lieblichen Gestalt, deren Ursprung, so vermutet Wursthorn, ebenfalls in der "katholischen Zeit" zu suchen ist. Teile davon dürften auch der bekannten Basler Fasnacht entstammen.

Die Zeller Fasnacht beispielsweise wurde erstmals 1627 urkundlich erwähnt, scheint aber wesentlich älter als 390 Jahre zu sein. Über die Tegernauer „Uscherete“ kann nur gerätselt werden.

Nicht so recht ins Bild der sonst üblichen Buurefasnacht im Kleinen Wiesental passen will der in Tegernau gepflegte Brauch der "Uscherete" vor Aschermittwoch. Während der Startschuss für die Buurefasnacht am Donnerstagabend nach Aschermittwoch fällt, halten die Tegernauer noch immer an der traditionellen "Uscherete" am Abend des Fasnachtsdienstags fest.

Wahrscheinlich, so vermutet Heimatforscher und Organisator beim "Tegernauer Krone-Team", Dr. Hans Viardot, handelt es sich dabei um ein "Überbleibsel" aus der Zeit vor der Reformation. Bis dahin war das Kleine Wiesental katholisch und in Tegernau stand die Hauptkirche. Wie man weiß, fiel manchem der Wechsel zum protestantischen Glauben damals nicht leicht, weshalb sich der eine oder andere Brauch bis in die heutige Zeit hielt. Zu ihnen zählt auch die sogenannte "Uscherete".

Bericht: MT/Hans Viardot, Krone

 

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