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Die Chronik der sonntäglichen "Krone - Frühschoppen"

 

 

 

„Prophetischer Seher der Nazis“

Hansjörg Noe setzt seine Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit in der Region fort.

In der „Krone“ in Tegernau hielt Hansjörg Noe seinen Vortrag über die Rolle Hermann Burtes im Dritten Reich.
  
  

  
  
Foto: Heiner Fabry Foto: Markgräfler Tagblatt
In der „Krone“ in Tegernau hielt Hansjörg Noe seinen Vortrag
über die Rolle Hermann Burtes im Dritten Reich.    Foto: Heiner Fabry

In seinem Vortrag beim „Krone“-Frühschoppen in Tegernau über „Hermann Burte und das Dritte Reich“ setzte Hansjörg Noe seine Aufklärungsarbeit über die Region in der NS-Zeit konsequent fort.

Schon in der Einleitung zu seinem Vortrag stellte er klar: „Hermann Burte hat als Künstler, als Dichter und als Maler gewirkt. Er war aber auch eine Person des öffentlichen Lebens und hat Einfluss auf das politische Leben genommen. In meinem Vortrag handele ich nur von dem ‚politischen Burte‘, über sein künstlerisches Schaffen kann und will ich mir kein Urteil erlauben.“ Wobei aber in der Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss, die Frage erörtert wurde, ob man diese verschiedenen Aspekte voneinander trennen kann, oder ob man nicht einen Menschen „ganzheitlich“ betrachten müsse und man Politik überhaupt von dem künstlerischen Schaffen trennen kann.

Hermann Strübe, der sich erst später im Anklang an eine seiner Romanfiguren Hermann Burte nannte, entstammte dem bürgerlichen Umfeld in Maulburg. Vor 1914 war er Mitglied der Deutsch-Konservativen Partei. Nach 1919 trat er der Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP) bei, die 1933 aufgelöst wurde. Schon früh vertrat Burte in seinen Werken und Schriften ein Gedankengut, das sich später nahtlos in die Ideologie und Sprache der Nationalsozialisten einfügen lässt.

Seinen Vornamen „Hermann“ erklärte er als den Wunsch des Vaters, „den Befreier der Deutschen zu ehren“. Den in Steinen ermordeten Protagonisten der NSdAP im Wiesental, Karl Winter, bezeichnet er in Reden als „Blutzeugen der Bewegung, als erstes Opfer des ewigen Rechts“.

In einer 1935 in Lörrach gehaltenen Rede feiert er das Hakenkreuz als „das Symbol der Wiedergeburt aus dem heiligen Feuer“.

Es sei viel gerätselt worden, warum Burte erst spät (im Februar 1936) in die NSdAP eintrat, führte Hansjörg Noe aus. Es habe nichts mit der Verleihung des Hebel-Preises zu tun, so Hansjörg Noe, der sei erst nach seinem Partei-Eintritt erfolgt. Vielmehr müsse man annehmen, Burte sei ein Opportunist gewesen. Später habe er über seinen Eintritt geschrieben: „Ich erkannt nun, dass nachdem die Partei Erfolg hatte, das Werk beginnen müsse: der Bau des Dritten Reiches als eines Kunstwerks“.

Hermann Burte ist laut Noe als „Künder der deutschen Seele und als prophetischer Seher“ aus dem deutschen Nationalsozialismus nicht weg zu denken. Zwei Tage nach Kriegsausbruch im September 1939 schrieb Hermann Burte sein Gedicht „Heil dem Führer“, in dem Hitler zwar nicht namentlich genannt wird, der Zusammenhang des Gedichts und die Wortwahl aber keinen Zweifel daran lässt, wem gehuldigt werden soll.

Hermann Burte wurde in der Zeit des Dritten Reiches vielfach geehrt, wurde zum Ehrenbürger von Maulburg und Lörrach ernannt und erhielt in Lörrach den Flachsländer Hof (heute Nellie Nashorn) als Wohnsitz geschenkt.

Nach Kriegsende wurde er im Juni 1945 verhaftet und angeklagt. Er sei nie „ein fanatischer Nazi“ gewesen, erklärte er zu seiner Verteidigung. 1946 wurde er aus der Haft entlassen und musste sein Lörracher Domizil verlassen. Er wohnte bei Freunden und Gönnern, teilweise in Efringen-Kirchen, und siedelt nach 1959 nach Maulburg über.

„Das Dritte Reich ging bis 1980“, resümierte Hansjörg Noe. Noch zu Pfingsten 1980 hielt die NPD in Schönau „Kult-Feiern“ zu Ehren von Albert Leo Schlageter ab. Und noch 1957 schrieb Hermann Burte ein Gedicht mit dem Titel „Heldentod“, in dem der Einsatz junger Soldaten überschwänglich gefeiert wurde.

Das Buch „Gleichgeschaltet – Maulburg im Nationalsozialismus und die Rolle von Hermann Burte im Dritten Reich“ von Hansjörg Noe hat 447 Seiten und kostet 19,80 Euro.

Bericht: BZ/Heiner Fabry

 

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